Ingeln-Oesselse hat sich in den vergangenen 50 Jahren von einem kleinen Bauerndorf zu einem begehrten Wohnort entwickelt. Lebten 1958 lediglich 540 Menschen zwischen der Gleidinger  Straße und dem Eichengrund, hat das Doppeldorf heute 3861 Einwohner. Noch heute zeugen etliche alte Höfe und Wohnhäuser von der Bedeutung der Landwirtschaft im Ort. Die verbliebenen Bauernhöfe sind vor allem Ackerbaubetriebe, die hauptsächlich Getreide und Zuckerrüben anbauen. Doch mittlerweile dominieren modernere Gebäude das Ortsbild. Wer aus Gleidingen nach Oesselse fährt, sieht zunächst neue Einfamilienhäuser, denn viele junge Familien haben sich dort für das Wohnen in ländlicher Umgebung entscheiden. Mit dem Zuzug von Neubürgern kamen neue Geschäfte sowie eine weitere Bushaltestelle am Heidfeldweg hinzu.

Das Neubaugebiet „Vor dem Laagberg“, in dem auch ein Supermarkt angesiedelt ist, liegt zwischen Ingeln und Oesselse. In Oesselse bestimmen vor allem rote Backsteinhäuser und der Kirchturm von St. Nikolai das Ortsbild. Die evangelische Kirche hat eine lange Geschichte, wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. 2004 wurde sie wegen akuter Baufälligkeit geschlossen, nach ihrer Sanierung jedoch wieder geöffnet. Mit ihrem noch aus dem Mittelalter stammenden Westturm gilt sie heute als Oesselses Wahrzeichen.

In Ingeln erinnert die Stiftungsstraße an August Ebeling, der dem Dorf sein gesamtes Vermögen spendete. Von dem Geld sollte ein Krankenhaus im Ort gebaut werden. Grund dafür war der  tragische Tod seines Sohnes, der mit 19 Jahren nach einem Reitunfall gestorben war und nach Ebelings Meinung überlebt hätte, wenn er schneller medizinisch hätte versorgt werden können. Für ein Krankenhaus in Ingeln reichte das Geld allerdings nicht aus, sodass die Ingelner 1908 eine Stiftung gründeten. Aus dieser wird bis heute unter anderem eine Gemeindeschwester finanziert, die 20 Stunden in der Woche die Kranken in Ingeln und Oesselse pflegt, ohne dass ihnen dafür Kosten entstehen. Zu einem Laatzener Stadtteil zusammengefasst wurden die beiden Dörfer 1974.

Seitdem teilen sich die Bewohner viele Einrichtungen und Vereine. Die Sportvereine fusionierten bereits vor mehr als 60 Jahren, die Feuerwehren 1987. Dennoch haben sich beide Ortsteile auch ihre eigene Identität und Tradition bewahrt. Zwar richten die Schützenvereine jedes Jahr gemeinsam ihr Schützenfest aus – doch an eine Fusion denken der SV Oesselse und Horrido Ingeln  bislang nicht. Bereits seit 20 Jahren richtet der Schützenverein Horrido Ingeln ein Weinfest im Dorf aus – zu dem jedes Jahr Hunderte Besucher aus Oesselse und den umliegenden Dörfern kommen.

Ein beliebter Treffpunkt ist der Dorfbrunnenplatz in Oesselse. Dort wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Pflugplatz in Ingeln ein Dorfgemeinschaftsfest gefeiert. In diesem Jahr hat erstmals die Junggesellschaft Ingeln-Oesselse das Dorffest ausgerichtet, die vor allem mit ihrem Fastnachtsumzug für Abwechslung im Doppeldorf. Bereits seit der Gründung des Vereins im Jahr 1902  ziehen zur Karnevalszeit verkleidete junge Männer von Haus zu Haus, um die bösen Wintergeister zu vertreiben und Spenden für einen guten Zweck zu sammeln.

Ingeln-Oesselse auf einen Blick:
• Einwohner (Stand 7. Juli 2016): 3861
• Gründung: Ingeln 1162, Oesselse 1022
• Schulen: Grundschule Ingeln-Oesselse
• Kirchen: Evangelisch-lutherische St.-Nicolai-Kirche
• Größter Verein: TSV Ingeln-Oesselse
• Sehenswürdigkeiten: St.-Nikolai-Kirche, Dorfbrunnenplatz
• Ortsbürgermeister: Heinrich Hennies