Walter Battermann: Ich lebe gern in Grasdorf, weil ich hier verwurzelt bin.

Walter Battermann ist in Grasdorf aufgewachsen, baut in seinem Garten Wein an und hat vor einigen Jahren die Stiftung Grasdorf an der Leine mit gegründet.

Seit wann wohnen Sie in Grasdorf?
Ich bin in Grasdorf getauft, konfirmiert und getraut worden, also hier fest verwurzelt. Unser Elternhaus war in Grasdorf, unsere Großeltern hatten hier einen Kaufmannsladen. Das stattliche Sechsfamilienhaus ist am 22. September 1943 bei einem Bombenangriff zerstört worden. Vorfahren von uns lassen sich auf den Höfen in Grasdorf bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Was macht Grasdorf aus Ihrer Sicht so besonders?
Grasdorf ist für mich Heimat. Ich habe hier meine Kindheit und Jugend verbracht, bin hier die ersten Jahre zur Schule gegangen. Fußball spielte immer eine große Rolle, weil die Jugend- und Herrenmannschaften in höheren Klassen spielten als die Mannschaften der Nachbargemeinden. Für einen Grasdorfer Jungen war es erstrebenswert, von der A-Jugend in die 1. Herren zu kommen, was mit einigem Ansehen im Dorf einherging.

Sie haben 2013 die Stiftung Grasdorf an der Leine gegründet. Warum?
Unsere Vorfahren haben uns eine reiche Kulturlandschaft hinterlassen. Vieles ist verlorengegangen, manches aber erhalten geblieben. Sich auf Sitten, Bräuche und Werte einer Dorfgeschichte zu besinnen und zu benennen, was uns vererbt worden ist, halte ich für wichtig. Damit Vergangenheit Zukunft hat und um dies bewusst zu machen, sind in Grasdorf zwei Stiftungen gegründet worden.

Meinen Sie mit der anderen Stiftung die der St.-Marien-Kirche?
Ja. Die schöne Dorfkirche ist ein anerkanntes Kulturdenkmal. Sie steht unter Denkmalschutz. Zu ihrer Pflege ist die Treuhandstiftung Evangelische Dorfkirche St. Marien zu Grasdorf in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 2005 ins Leben gerufen worden. Schirmherr ist der Bundespräsident. Unsere Kirche steht damit mit Denkmälern wie der Waterloosäule und dem Beginenturm in Hannover auf einer Stufe. Diese werden ebenfalls von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert.

Und was hat es mit der Stiftung Grasdorf an der Leine auf sich?
Ihr Zweck ist die Erhaltung und Gestaltung von Grasdorf als Heimat, insbesondere durch Aktivitäten, die das Heimatbewusstsein fördern, Erinnerungen wachhalten und das kulturelle Erbe stärken. Mutterstiftung ist die Stiftung Heimat Niedersachsen, Schirmherr ist der Ministerpräsident. Stiftungen dieser Art werden von privaten Initiativen getragen. Bürger tragen Ideen vor, deren Umsetzung dann gemeinsam besprochen und realisiert wird.

Was für Projekte hat die Stiftung bereits umgesetzt?
Eine ganze Reihe. Darunter die Renovierung des Denkmals vor der Kirche, das Aufstellen von Bänken auf dem Kirchenvorplatz sowie Gedenkveranstaltungen an die Schreckensnacht vom 22. September 1943. Außerdem sind Infotafeln an den Dorfeingängen und der Retburg aufgestellt, Dorfführungen veranstaltet und mehrmals ein Frühlingsfrühstück ausgerichtet worden. Der Gehweg zur Kirche wurde Pilgergasse genannt. Einmal im Jahr erscheinen Postkarten mit Grasdorfer Motiven. Außerdem haben wir eine Broschüre mit Beschreibungen des skandinavischen
Jakobus-Pilgerweges, der an Grasdorf vorbeiführt, und eine Broschüre mit Wanderwegen in der südlichen Leineaue herausgegeben. Und im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie
leben!“ haben wir das Film- und Fotoprojekt „Wir wollten doch nur zur Schule gehen“ an der Grundschule ausgerichtet. Dabei haben Viertklässler Grasdorfer interviewt, die den Zweiten Weltkrieg im Ort erlebt hatten.

Sie bauen mit einigen anderen Hobby-Winzern in Grasdorf Wein an. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?
Wir sind immer gern in Weingegenden gewandert und haben dort den Winzern bei der Weinernte mitgeholfen. In der Rühler Schweiz hatten wir an dem alten, aufgelassenen Weinberg der Mönche von Amelungsborn einen Weingarten. Dort haben wir jährlich mehrere Hundert Liter „Wein von der Weser“ gekeltert. Als wir 1998 in Grasdorf bauten, haben wir unsere Kenntnisse auf die hiesigen Gegebenheiten übertragen und erzeugen seit Jahren „Wein von der Leine“. Mit drei weiteren Hobbywinzern tauschen wir uns aus. 2016 hatten wir mit einem Mostgewicht von 87 Oechsle eine sehr hohe Qualitätsstufe Prädikatswein.