Okka Freitag: An Ingeln-Oesselse mag ich besonder, dass es mich so freundlich aufgenommen hat.

Okka Freitag ist seit 2005 im Vorstand des TSV Ingeln-Oesselse und liebt das Dorfleben.

Seit wann leben Sie schon in Ingeln-Oesselse und warum?
Mein Mann, unsere zwei Söhne und ich sind Ende 2000 nach Oesselse gezogen. Wir wohnten zu dieser Zeit in Hannover-List und waren schon länger auf der Suche nach einer größeren  Wohnung. Da uns Laatzen zu eng bebaut war und die in Gleidingen verfügbaren Grundstücke bauträgergebunden waren, landeten wir schnell im Doppeldorf: gute Verkehrsanbindung über die B 6 an Hannover, alle nötigen Einrichtungen wie Grundschule, Arzt und Zahnarzt, Apotheke und Supermarkt vor Ort, und ein erschwingliches Baugrundstück. Die Entscheidung war schnell gefallen.

Was gefällt Ihnen am Dorfleben?
Vieles! Besonders mit Kindern lernt man die Übersichtlichkeit und den Gemeinsinn zu schätzen. Die Kinder konnten sich schon früh frei bewegen und sich ohne Aufwand nach der Schule mit Freunden treffen. Wie heißt es? „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen …“ Auch wir Erwachsenen fanden schnell Anschluss – zuerst in der direkten Nachbarschaft, bald auch durch das Engagement im Sportverein. Denn im Verein zu sein gehört hier einfach dazu! Das ist quasi Ehrensache. Im Gegenzug bekommt man oft und unkompliziert Hilfe angeboten.

Ist es nicht manchmal etwas anstrengend, wenn fast jeder jeden kennt?
Ja, daran muss man sich erst mal gewöhnen! Auf dem Dorf ist jeder mit jedem über sechs Ecken verwandt, da muss man aufpassen, was man sagt. Denn es braucht Jahrzehnte, diese Geflechte zu durchschauen. Aber inzwischen habe ich mich ans Dorf gewöhnt und das Dorf sich an mich.

Was ist aus Ihrer Sicht verbesserungswürdig?
Für mich persönlich nichts. Aber ich denke, dass es hier zu wenig Wohnungen gibt. Viele der Jugendlichen, die für die Ausbildungszeit umziehen, kehren später wieder ins Doppeldorf zurück.  Auch gibt es immer mehr Kleinfamilien und Singles. Es sollte möglich sein, trotz veränderter privater Umstände im gewohnten sozialen Umfeld zu bleiben. Denn die Gemeinschaft gibt besonders in schwierigen Lebensphasen Halt.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, woanders hinzuziehen?
Nein. Wenn ich in Hannover bin, wundere ich mich immer, dass ich früher mit dem Lärm, der einen ständig umgibt, klargekommen bin. Ich liebe die Weite, die mich keine hundert Meter vom Haus entfernt umgibt. Auf den Spaziergängen mit unserem Hund erlebe ich die Jahreszeiten viel unmittelbarer als in der Stadt: Die erste Feldlerche kündigt den Frühling an, der Herbst beginnt, wenn nachts die Mähdrescher auf dem Feld arbeiten.

Sie sind seit 2005 im Vorstand des TSV Ingeln-Oesselse. Was hat Sie dazu bewogen, sich in dem Verein zu engagieren?
Ich wurde seinerzeit gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, im Vereinsvorstand mitzuarbeiten. Den Zusammenhalt in den Vereinen hatte ich bereits kennenlernen dürfen. Ich war zwar sportlich nicht aktiv, sah aber genug Bereiche, in denen ich meine Fähigkeiten einbringen kann. Ich engagiere mich gern, ob im Sportverein, in der Schule der Kinder oder in anderen Gemeinschaften.

Wie viele Sparten hat der TSV und welche ist am beliebtesten?
Wir versuchen, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen abzudecken, denn wir sind in erster Linie ein Verein fürs Doppeldorf. Neben den Wettkampfsportarten Fußball, Korbball, Tischtennis
und Turnen bieten wir Frauen-Fitness, Pilates, Aqua-Fitness, Flexi-Bar-Training, Capoeira, Wandern, Gymnastik, Hobby-Fußball, Senioren- und Kindersport an. Alle Angebote werden gut angenommen, die Gruppen sind gefestigt und stabil.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, sich in die Gemeinschaft einzubringen?
Ich sehe es als ein Privileg, meine Umwelt mitgestalten zu dürfen! Schwierig finde ich Menschen, die sich beschweren, sich aber nicht einbringen. Wenn jeder einen kleinen Teil seiner Zeit und Fähigkeiten der Gemeinschaft widmet, profitieren alle davon.